Curators blog

ZUR AUSSTELLUNG

Meine erste Hifi-Anlage kaufte ich mit zwölf. (Musste viele Zeitungen dafür austragen). Die Boxen waren sehr gut und für mich ein wichtiges „Fenster“ – das zur Musik. Zu Beginn der 1990er Jahre begann ich mich auch für Bildende Kunst zu interessieren. Ein Künstler und Freund machte mich aufmerksam auf KünstlerInnen, die mit Lautsprechern arbeiteten. Ihre Lautsprecher bedeuteten für mich ein weiteres wichtiges „Fenster“ –  das zum Klang. Ein Lautsprecher, unterlegt mit rot-blauen Schallwellen, zierte dann 1996 den Katalog des ersten „sonambiente-festivals für hören und sehen“ in Berlin. Es steht in kleinen Buchstaben groß „klangkunst“ darauf. Über 100 Künstler nahmen an der Ausstellung teil, und ich weiß nicht wieviele Lautsprecher. Lautsprecher in der Kunst begleiten mich, mit all ihren Fascetten, seit nun bald 20 Jahren. Und sie bedeuten für mich nach wie vor das, was der amerikanische Komponist und Pionier der Computermusik, Paul Lansky, in so poetische wie bewußtseinserweiternde Worte gefaßt hat: „A loudspeaker is a window into an imaginary space“. Sinnbildlich steht das berühmte Zitat für die Faszination und Bedeutung des Schallwandlers in der elektroakustischen und elektronischen Musik des 20. Jahrhunderts, sowie seit der Fluxusbewegung in der Bildenden Kunst und seit der Digitalisierung in der Medienkunst. Mit seinen nahezu grenzenlosen Gestaltungsmöglichkeiten ist der Lautsprecher zum wichtigsten „Instrument“ für jene KunstlerInnen geworden, für die Klang plastisches Material bedeutet. Die naheliegende Idee, explizit dem Lautsprecher eine Ausstellung zu widmen, kam mir nach all den Jahren jedoch erst durch die tägliche Zeitungslektüre. Ein Artikel von Marko Martin im Reiseblatt der FAZ war wie folgt übertitelt: „Stationen: Der „Voice of Peace“-Lautsprecher in Tel Aviv“. Eine Zwischenüberschrift lautete: „Ein Abend mit John Lennon am Strand“. Das Foto dazu zeigte einen kleinen schwarzen Lautsprecher, der in einer Felsspalte montiert ist. Es trägt die Bildunterschrift: „Höret die Botschaft – für Frieden, Liebe und Verständnis“. Diese Notiz, dieser kleine Lautsprecher, war diesmal das „Fenster“ zu einer neuen Idee.

„TONSPUR_expanded ∞ Der Lautsprecher“ ist als eine Hommage an genau dieses
nur vermeintlich rein „technische Hilfsmittel zur Hörbarmachung von Gasen“ angelegt. Die Schau möchte sein weitaus höheres Bedeutungspozential, auch als Objekt in der kreativen Auseinandersetzung, vermitteln. Gleichzeitig will sie den BesucherInnen das von Paul Lansky beschriebene „Fenster“ zu imaginären Räumen –  zu aufregenden, inspirierenden, zeitlosen Hör-, Seh-, Gedanken-
und Empfindungsräumen – sein.
Ich danke dem Direktor des Museums-Quartier Wien und dem gesamten Team
des quartier21, vor allem Elisabeth Hajek, für Ihre Begeisterung für das Projekt und für mannigfaltige, unverzichtbare Hilfen. Allen Förderern, insbesondere dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und der Kulturabteilung der Stadt Wien, sowie den nationalen und internationalen Kooperationspartnern, Leihgebern und Galerien, sei herzlich für ihre Unterstützung und ihr Vertrauen gedankt. Mein persönlicher Dank gilt dem TONSPUR-Team, hier im besonderen Hannah Schwegler, und allen Helfern, die bei der Einrichtung der Ausstellung mitgewirkt haben. Peter Mahr sei gedankt für seinen vorzüglichen Essay über den Lautsprecher aus philosophischer Sicht. Weiter gilt mein Dank der Buchhandlung Walther König (Andreas Wigand und Team) für die Beschaffung der Bücher zum Projekt „TONSPUR-library“ und ihr Mittun beim Rahmenprogramm der Ausstellung, sowie den TeilnehmerInnen am selbigen. Last but not least danke ich von ganzem Herzen allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern für ihre Teilnahme an der Lautsprecher-Schau, mit ihren wunderbaren, in jeder Beziehung
sinnerweiternden Werken.

Georg Weckwerth
Künstler und Kurator

ABOUT THE EXHIBITION
I bought my first hifi system when I was twelve. (I had to deliver a lot of papers to
be able to do this!) The boxes were really excellent and they were an important
„window“ for me – a window to music. At the beginning of the nineties I also became
interested in the arts. An artist and friend called my attention to artists who work with loudspeakers. For me their loudspeakers were another important „window“ to sound. A loudspeaker, on a background of red-blue sound waves, adorned the first catalogue of the „sonambiente-festival for listening and seeing“ which took place in Berlin in 1996. „klangkunst“ (sound art) was printed in large letters on it. More than 100 artists took part in the exhibition and I don’t know how many loudspeakers.
The use of loudspeakers in art, in all its facets, has accompanied me for almost twenty years now. And for me they still mean what Paul Lansky, the American composer and pioneer of computer music has put in such poetic and awareness-expanding words: „A loudspeaker is a window into an imaginary space.“

The famous quote stands symbolically for the fascination exerted by the sound converter and its significance in electro-acoustic and electronic music of the 20th century as well as in the visual arts (since the Fluxus movement) and in media art (since the onset of digitalization). With its almost boundless creative possibilities the loudspeaker has become the most important „instrument“ for those artists who see sound as sculptural material. It was not until I discovered an article in a daily paper that it dawned upon me that I could organize an exhibition devoted explicitly to the loudspeaker. An article by Marko Martin in the travel section of the FAZ had this title: „Stations: The „Voice of Peace“ loudspeaker in Tel Aviv“. A heading in the text read as follows: „An evening with John Lennon on the beach.“ The photograph depicted a small black loudspeaker mounted in a crevice. It has the caption: „Listen to the message – for peace, love and understanding.“ This time, this note, this small loudspeaker provided as „window“ to a new idea. „TONSPUR_expanded ∞ The Loudspeaker“ pays tribute to precisely this (supposedly) purely „technical tool to make gases audible“. This show would like to tap and convey its much greater potential of meaning, also as an object of creative production. At the same time it would like to offer the visitors a „window“ in Paul Lansky’s sense – a window to exciting, inspiring, timeless spaces for audio, visual, mental and sensory experiences.

My thanks go to the director of the MuseumsQuartier Wien and the entire quartier21 team, especially Elisabeth Hajek who showed great enthusiasm, who all provided invaluable help. I am grateful to all funding institutions, in particular the Federal Ministry for Education, Art and Culture Department for Cultural Affairs of Vienna, as well as the national and international cooperation partners, lenders and galleries for their support and trust. I would like to express my personal gratitude to the TONSPUR team, here in particular Hannah Schwegler, and all assistants who helped mount the exhibition. I sincerely thank Peter Mahr for his excellent essay on loudspeakers from a philosophical perspective. I am equally indebted to the bookshop Walther König (Andreas Wigand and team) for procuring the books on the „TONSPUR_library“ project and for contributing to the side program of the exhibition – and my thanks also to all who participated in this program. Last not least my very sincere thanks go to all the artists who participated in this loudspeaker show by contributing their wonderful works that have expanded the potential of this medium in every sense of the word.

Georg Weckwerth
Artist and curator

Georg Weckwerth, geb. 1965, studierte an der Hochschule der Künste in Berlin bei Achim Freyer.  Er lebt und arbeitet als Künstler und Kurator in Wien, Hattorf am Harz und Berlin. Kuratorische Arbeit seit Mitte der 1990er Jahre im Bereich Klang und Kunst. Künstlerische Arbeit in den Bereichen Theater, Film, Video, Design und Fotografie.

Georg Weckwerth
Website: http://www.georgweckwerth.org/